Veranstaltungsarchiv

Im Keller mit Judith Nika Pfeifer – Lesung und Gespräch

10. Mai 2017 – 19:00 – 22:00 Uhr

Ort: ORLANDO Literatur- & Kulturkeller

Im Keller mit Judith Nika Pfeifer – Lesung und Gespräch mit Evelyn Bubich
Eine Veranstaltung des Kulturvereins ORLANDO Kultur im Keller

Die österreichische Autorin liest aus Violante. 

Rom, Mitte des 16. Jahrhunderts, Violante, Herzogin von Paliano, wird von ihrem Bruder erdrosselt, während der Herzog Violantes vermeintlichen Liebhaber ersticht. Überliefert ist diese wahre Begebenheit von Stendhal, nun beleuchtet Judith Nika Pfeifer die Geschehnisse in der Gegenwart.

Aus den verschiedenen Perspektiven liest sich die Vor- und Nachgeschichte dieser spektakulären Morde wie die szenische Mischung einer Fernseh-Soap und einem Quentin-Tarantino-Film. Durch geschicktes Komponieren und Montieren verschiedener Ebenen, Quellen und Stilrichtungen entsteht eine höchst spannende Erzählung über sogenannte Ehrenmorde und die Verflechtungen von Geld, Macht und Liebe – als elementare menschliche Triebfedern.

Von Stendhals Übertragung ausgehend arrangiert die Autorin die Ereignisse neu und rückt die vermeintlich passive Protagonistin in den Vordergrund. Pfeifer transferiert diese in die Jetztzeit, verleiht ihrer Position durch Stimmen unserer Zeit Ausdruck und rückt damit ins Sichtbare, was die damaligen Akteure versucht hatten zu verdunkeln, indem sie Gerichtsakten verschwinden ließen. Dies sollte ihnen jedoch nicht vollständig gelungen sein …

„Ich sage nicht, dass sie nicht tot ist, ich sage nicht, dass es nicht schrecklich ist, dass sie ermordet wurde. Ich sage nur, dass es nichts helfen würde, da was anzuleiern. Einen toten, rehabilitierten Mörder ent-rehabilitieren. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist. Eher äußerst unwahrscheinlich. Und wer weiß, was damals alles dahintersteckte. Der Kontext, wissen Sie, das ewige Raumzeitproblem.“

 Try as you might, you can never break free from your past. (Christoph Waltz)

Violante erscheint als Erzählung Ende April 2017 im Czernin Verlag.

Judith Nika Pfeifer, geboren 1975, aufgewachsen in Wien und Oberösterreich; Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaft; schreibt Lyrik, Prosa und szenische Texte; Musik- und transmediale Kunstprojekte in Österreich und im Ausland (Edinburgh, New York, Montreal); zahlreiche Publikationen – nichts ist wichtiger. ding kleines du. Gedichte. (Mitter Verlag, 2012), zwischen. Prosa. (Czernin, 2014), manchmal passiert auch minutenlang gar nichts. (Berger, 2015) – und Veröffentlichungen in Anthologien – Das Sisi Projekt (München 2012), weil du die welt bist(edition keiper lyrik, 2011), und an den häusern hängen engel (Leipzig 2010) und Zeitschriften wie Literatur und Kritik, Podium und kolik; zahlreiche Preise und Literaturstipendien; lebt in Wien und Berlin.

Im Keller mit Andrea Stift-Laube – Lesung und Gespräch

stift-laube_zusammen© Detailsinn Fotowerkstatt 


Im Keller mit Andrea Stift-Laube – Lesung – Im Gespräch mit Evelyn Bubich

Eine Veranstaltung des Vereins ORLANDO Kultur im Keller

In ihrem neuen Roman „Die Stierin“ dringt die Grazer Autorin in ebenso gewaltige wie gehaltvolle Sphären der Menschlichkeit vor: Macht, Rache, Liebe sowie das Recht auf Selbstbestimmung verknüpft zu einer Seelenlandschaft, in der der ein oder andere Berg versetzt wird…

„Zu Hause setze ich mich nun immer öfter mit einem Glas Wasser in der Hand ans Fenster und warte, bis der Berg weiterrückt. Oft kommt er erst näher, wenn ich ihn nicht dabei beobachten kann. Er kommt langsam, aber er kommt. Mein Erschrecken hat sich zu Erstaunen entwickelt und später in Erwartung verwandelt. Ich warte und staune und wundere mich. Es muss etwas bedeuten, dass der Berg gerade in meine Richtung wandert.“

Darin webt die Autorin einen alten irischen Mythos zu einer makabren Geschichte um Macht und Gerechtigkeit. So düster ihre Figuren auch sein mögen, sie sind auf eigentümliche Weise vertraut und zutiefst sympathisch.

Ich nehme den Käse und lege ihn auf eine der breiten, marmornen Arbeitsflächen. Ich werfe der Kundin einen fragenden Blick zu, ich forme um ihr Einverständnis heischende Gesten und lächle dazu. Ich schneide den Käse mit dem Käsemesser. Ich verpacke ihn und lasse ihn bezahlen. Ich fertige den Käse ab. So geht es immer von vorne. Der befriedigendste Moment während dieses Vorgangs ist der, in dem mein Käsemesser durch den Käse gleitet.“

ANDREA STIFT-LAUBE

geboren 1976 in der Südsteiermark, lebt in Graz. Studium der Germanistik und Sprachwissenschaft. Sie ist Schriftstellerin und Publizistin, war von 2009 bis 2012 Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift manuskripte und ist seit 2016 Redaktionsmitglied der Literaturzeitschrift LICHTUNGEN. Neben Buchpublikationen schreibt sie für zahlreiche Tageszeitungen, Literaturzeitschriften und in Anthologien. Diverse Stipendien und Preise, u.a. manuskripte-Literaturförderungspreis 2005, Literaturförderungspreis der Stadt Graz 2006, Theodor-Körner-Preis 2012, Rotahorn Literaturpreis 2013.

Herzlichen Dank an die Autorin, den Verlag Kremayr&Scheriau sowie an die Bezirksvorstehung Alsergrund, die MA7 und an alle Gäste für einen wunderbaren Lesungsabend!

 

Im Keller mit Sophie Reyer – Lesung, Filmvorführung und Gespräch


Im Keller mit Sophie Reyer – Lesung und Filmvorführung – Im Gespräch mit Evelyn Bubich
Eine Veranstaltung des Vereins ORLANDO Kultur im Keller, gefördert von der Kulturabteilung der Stadt Wien

Sophie Reyer wagt philosophisch-literarische Blicke – bei ihrer Lesung im Rahmen von Kultur im Keller erzählte sie von wundersamen Wesen und deren Wünschen und Träumen. Wir lauschten Auszügen aus dem Roman Der kleine Mann aus Salz, dem Gedichtband :nachkommen nacktkommen und der Kurzgeschichtensammlung Krieg der Kröten – poetische Liebeserklärungen an die Freundschaft!

„Warum leben Schildkröten eigentlich so lange?“, frage ich Merlin, als ich zum Flur hinaus krieche. „Weil sie sich Zeit nehmen“, antwortet er und öffnet die Türe.

Reyer schreibt in allen literarischen Gattungen und mit großer stilistischer Bandbreite. Ihr künstlerisches Schaffen ist beeindruckend vielfältig – im Rahmen der Kultur im Keller-Veranstaltung begeisterte sie das Publikum auch mit ihrem Kurzfilm dizzy’s pub.

SOPHIE REYER

geboren 1984 in Wien. Seit 2009 Redaktionstätigkeit für die Grazer Literaturzeitschrift “Lichtungen” sowie Leitung der JugendLiteraturwerkstattGraz für 14 bis 19jährige im Literaturhaus Graz. “Master of Arts” in Komposition/ Musiktheater 2010 sowie Diplom in “Szenisch Schreiben” bei uniT 2010. Teilnahme am Stück- für- Stücke- Lehrgang am Schauspielhaus Wien 2010. Seit 2011 Studium Drehbuch und Filmregie an der Kunsthochschule für Film und Medien in Köln. Lehrauftrag zum Thema “Performanz und Biomacht” auf der Theater- Film- und Medienwissenschaft Wien. Zahlreiche Literatur- und Theaterarbeiten.

Herzlichen Dank an die Autorin, die Verlage edition keiper (Graz), hochroth (Wien) und Literatur-Quickie (Hamburg) sowie an die Kulturabteilung der Stadt Wien und alle Anwesenden für einen wunderbaren Abend!

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Im Keller mit Iris Blauensteiner – Lesung und Gespräch

Im Keller mit Iris Blauensteiner – Lesung – Im Gespräch mit Carina Tiefenbacher
Eine Veranstaltung des Vereins ORLANDO Kultur im Keller, gefördert von der Kulturabteilung der Stadt Wien

„Eine Erinnerung, die verschwimmt, ein Mensch, der immer dünner wird – das ist, was Moni täglich mit ansehen muss. Sie pflegt ihre demenzkranke Mutter so gut es geht, doch die nimmt ihr die Luft zum Atmen. In einem Wechselspiel aus Distanzierung und Annäherung versucht Moni die Vergangenheit zu rekonstruieren, um die Lücken ihrer eigenen Geschichte zu füllen und sich allmählich zu lösen.
In stillen Szenen und poetischen Bildern schafft Iris Blauensteiner Atmosphären, in denen die Figuren nahbar werden. Dazwischen liegen das Unausgesprochene und die Unsicherheit darüber, was Erinnerung und Identität sind“, verrät der Klappentext.

Kopfzecke ist ein berührender Roman über einen der schwierigsten und schmerzvollsten Abschnitte im Leben einer Tochter.

„Sie sitzt vor mir hinter einer Wand, ungreifbar. Ein Gegenwartsphantom, das wartet, die Zeit fließt langsam durch sie hindurch.“

IRIS BLAUENSTEINER

geboren 1986 in Wien. Filmemacherin und Autorin. Diplom der Bildenden Kunst und der Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Wien. Etliche Preise und Stipendien, u.a.: Start-Stipendium für Filmkunst des BKA 2014, Award für „Beste Österreichische Nachwuchsfilmerin“ bei VIS 2014 für den Kurzfilm Schwitzen, DramatikerInnenstipendium des BMUKK 2013 und Nominierung zum Retzhofer Dramapreis, Finalistin beim Literaturwettbewerb Wartholz 2012.

Wir danken der Autorin, dem Verlag Kremayr-Scheriau, der Kulturabteilung der Stadt Wien und allen Gästen für einen großartigen Abend!